Fehler in der
Gesundheitsversorgung?
Ungewollte Behandlungsergebnisse sind nicht beabsichtigt und
gehören dennoch zur medizinischen Versorgungswirklichkeit. Gehen sie auf Fehler
zurück, so werden sie als vermeidbare unerwünschte Ereignisse bezeichnet. Fehler
sind deshalb ein wichtiger Hebel, die Patientensicherheit nachhaltig zu
verbessern.
Unlängst hat sich in nichtmedizinischen Kontexten die
Einsicht durchgesetzt, dass Fehlern mit Sanktionen und Verboten nicht
beizukommen ist. In der Gesundheitsversorgung besteht dagegen noch sichtbarer
Aufholbedarf. Hier werden Fehler gewöhnlich mit schwerem Einzelversagen
assoziiert. Die Erkenntnis, dass Risikokonstellationen, die in jeder
Arbeitsumgebung regelhaft anzunehmen sind, die Entstehung von Fehlern
begünstigen, steht noch an ihren Anfängen.
Das Zusammenarbeiten vieler Menschen in komplexen Systemen, hohe
Arbeitsbelastungen und das Fällen schneller Entscheidungen in Krisensituationen
sind beispielhafte Risikokonstellationen, die für Gesundheitsberufe charakteristisch
sind. In diesen Arbeitsumgebungen, wie in allen anderen, machen Menschen auch
Fehler. Entscheidend ist, dass die Analyse dieser Fehler zeigen kann, an
welchen Stellen es Schwachpunkte gibt und welche Mechanismen greifen, um Schadensfolgen
zu verhindern.
Nur wer anerkennt, dass auch in der Gesundheitsversorgung
Fehler passieren, wird deshalb die Fähigkeit haben, erfolgreiche Strategien zur
Verbesserung der Patientensicherheit zu entwickeln.
Wir müssen mehr über
Fehler lernen
Oberstes Ziel der Patientensicherheit ist die Vermeidung von
unerwünschten Ereignissen, die auf Fehlern beruhen. Die Entdeckung und Analyse
von Fehlern ist deshalb ein wichtiger Wissensquell, aus dem man für die Zukunft
lernen kann.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Fehler zu entdecken und
auszuwerten. Geeignete Instrumente sind freiwillige Berichtssysteme (engl.:
Critical Incident Reporting Systems, CIRS), Schadensfallbewertungen,
Fallbesprechungen und Ursachenanalysen (engl.: root cause analysis). Die
künftige Fortentwicklung und Anwendung dieser Instrumente wird für den Erfolg
der Patientensicherheit in Deutschland von entscheidender Bedeutung sein.
Darüber hinaus kommt es darauf an, das eigene Wissen mit
anderen zu teilen. Wer anderen die Möglichkeit gibt, aus erlebten Fehlern zu
lernen, hilft ihnen, diese Fehler nicht selbst zu machen. Offener Austausch und
gemeinsames Lernen sind deshalb der Schlüssel für gelebte Patientensicherheit.
Sicherheitskultur und
Fehlermanagement
Mitarbeiter im Gesundheitswesen können nur dann einen
konstruktiven Umgang mit Fehlern üben, wenn sie ausdrücklich dazu ermutigt
werden. Das ist Voraussetzung, damit sie eine Einstellung entwickeln, die durch
Offenheit geprägt und frei von Angst ist. In diese Sicherheitskultur müssen sie
vertrauen und sich auf sie verlassen können. Auch Patienten sollten das gleiche
Vertrauen haben und Sicherheitskultur bewusst als Teil ihrer Behandlung erleben.
Sicherheitskultur ist Bedingung für ein erfolgreiches
Fehlermanagement. Die offene Auseinandersetzung mit Fehlern liefert das nötige
Wissen für ihre Handhabung. Fehlermanagement umfasst im Einzelnen das frühzeitige
Erkennen von Fehlern sowie die Einleitung von Maßnahmen, sie zu verhindern oder
ihre schädlichen Folgen abzuwenden.
Was tut das Aktionsbündnis Patientensicherheit?
Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) unterstützt die
Vernetzung seiner Mitglieder und vermittelt gezielte Kontakte zur Lösung
spezifischer Problemstellungen.
Von anderen zu lernen und andere an den eigenen
Lernprozessen teilhaben zu lassen ist auch ein zentrales Element unserer
Projektarbeit. Koordinierte Fehleranalysen fließen in die Arbeit der
multidisziplinären Arbeitsgruppen ein und bilden die Grundlage vieler
Empfehlungen zur praktischen Verbesserung der Patientensicherheit.